Winterreifen – Reifentester aus der Geldbörse

Verfasst am 29.10.2010


Wien (OTS) - Auch wenn dies nur bei winterlichen Fahrverhältnissen ausdrücklich vorgeschrieben ist, sollten Autos in der kalten Jahreszeit generell mit Winterreifen ausgestattet werden, raten Experten. Denn nur mit den richtigen Pneus ist man auf der sicheren Seite.

Spätestens mit dem ersten Schneefall drängen sich die Reifenwechselwilligen vor den Werkstätten. Denn von 1. November an gilt in Österreich wieder die witterungsabhängige Winterausrüstungspflicht. "Auch wenn dies keine generelle Winterreifenpflicht bedeutet, sollte jeder verantwortungsbewusste Fahrzeughalter jetzt Winterreifen aufziehen", rät Mag. Xaver Wölfl, Leiter des Kundengruppenmanagements der österreichischen Allianz Gruppe. Denn diese bieten aufgrund ihres speziellen Profils und ihrer besonderen Gummimischung bei niedrigen Temperaturen ein deutliches Plus an Sicherheit. Schließlich sind die Reifen die einzige Verbindung zwischen Fahrzeug und Straße, und Sommerreifen verhärten bereits bei Temperaturen von weniger als 7 Grad Celsius. Dies zieht eine nachhaltige Verminderung des Kraftschlusses zur Fahrbahn nach sich: Der Bremsweg wird länger - auch ohne Schnee und Eis! "Außerdem kann beim Absinken der Temperatur jede Straßennässe zu Glatteis werden. Und dann gilt ohnehin die Winterreifenpflicht", erklärt Wölfl. Die Gummimischung von Winterreifen macht diese weicher und führt zusammen mit dem Lamellenprofil zu besseren Haft- und Traktionseigenschaften. Sie verzahnen sich daher effektiver mit der Fahrbahnoberfläche. "Bereits bei Regen bringen Winterreifen einen deutlich kürzeren Bremsweg, noch größer wird der Unterschied zu Sommerreifen bei Schneefahrbahn oder Eis", schildert Wölfl.

Der Reifentester aus der Geldbörse

Im § 102 Abs. 8a Kraftfahrgesetz (KFG) ist geregelt, dass jeweils von 1. November bis 15. April des Folgejahres bei "winterlichen Fahrverhältnissen" auf allen vier Rädern Winterreifen montiert oder Schneeketten an den Antriebsrädern angebracht werden müssen. Doch auch Winterreifen sind letztlich nur so gut wie ihr Profil. Und ob die Reifen noch den gesetzlichen Vorschriften genügen, kann jeder Fahrzeughalter ganz einfach selbst überprüfen: mit einer 1-Euro-Münze, die er zwischen die Profilrillen des Reifens hält. Ist die goldene Umrandung des Geldstücks bereits zu sehen, ist die vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von vier Millimetern unterschritten - diese Pneus sind dann als Winterreifen nicht mehr zugelassen. Als Winterreifen gelten nur solche Reifen, die an der Seitenwand mit der Aufschrift "M+S", "M.S" oder "M&S" versehen sind - ein Schneekristall- oder Schneeflockensymbol wird als Winterreifenkennzeichnung in Österreich übrigens nicht anerkannt. Und sobald Reifen älter als sechs Jahre sind, sollten sie auch bei noch ausreichender Profiltiefe ausgetauscht werden. Denn die Gummimischung wird dann hart und spröde, der Grip lässt nach. Das Herstellungsdatum ist ebenfalls in die Seitenwand des Reifens eingraviert.

Rechtzeitig statt fahrlässig

Verursacht der Lenker eines vorschriftswidrig nicht mit Winterreifen ausgerüsteten Pkw einen Schaden, ersetzt dessen Haftpflichtversicherung dem Geschädigten im Regelfall trotzdem den Schaden. Die Kaskoversicherung könnte jedoch dem Lenker des sommerbereiften Fahrzeugs wegen "grober Fahrlässigkeit" die Zahlung verweigern. "Schon im Interesse der eigenen Sicherheit sollten die Reifen rechtzeitig ausgetauscht werden", empfiehlt Wölfl, "und wer so lange wartet, bis bei Winterreifen die Mindestprofiltiefe unterschritten ist oder überhaupt mit Sommerreifen über den Winter kommen will, bringt nicht nur sich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr." Außerdem riskieren Ausrüstungsmuffel bei winterlichen Fahrbahnbedingungen eine Strafe von 35 Euro. Werden auch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, kann die Geldbuße sogar bis zu 5.000 Euro ausmachen. Doch so gut die Haftung von Winterreifen während der kalten Jahreszeit ist, bei Wärme schmieren sie weg, der Bremsweg verlängert sich, zudem brauchen sie mehr Sprit und verschleißen schneller. "Also Winterreifen nicht das ganze Jahr über fahren", empfiehlt Wölfl.

Kommentare:

Ihre Email Adresse wird nicht veröffentlicht.
Abschicken

Feedback