“Einbruchdiebstahl-Opfer-Studie” des Versicherungsverbands

Verfasst am 14.07.2011


"Einbruchdiebstahl-Opfer-Studie": Psychische Folgen wiegen oft schwerer als Verlust von Gegenständen

Wien (OTS) - Durchschnittlich werden in Österreich jeden Tag mehr als vierzig Einbrüche verübt. Wie die aktuelle Studie zeigt, spielt bei den Opfern nicht nur der Verlust persönlicher Gegenstände eine Rolle, sondern insbesondere auch das Schockerlebnis über das Eindringen Krimineller in die Intimsphäre der eigenen vier Wände. Der Verband startet daher mit einer österreichweiten Initiative, um Bewusstsein für Präventionsmaßnahmen im Bereich von Gewohnheiten und Verhalten zu schaffen.

"Die Zahl der angezeigten Einbruchsdiebstähle in Wohnungen und Einfamilienhäuser ist mit 14.646 Fällen in Österreich nach wie vor hoch", erläutert VVO Präsident Dr. Wolfram Littich. "Abgesehen von materiellen Schäden bleibt den Geschädigten das abhanden gekommene Sicherheitsgefühl und das Wissen, dass jemand unbefugt in die eigenen vier Wände eingebrochen und in die Privatsphäre eingedrungen ist", erklärt Littich.

Größter Schaden: Fehlendes Sicherheitsgefühl

Für die Betroffenen ist das Vorfinden aufgebrochener Türen, durchwühlter Schränke und Schubladen ein Schock. Bestätigt wird dies auch durch eine aktuelle Befragung des KFV (Kuratoriums für Verkehrssicherheit) unter Einbruchsopfern, wonach 38 Prozent der Betroffenen die Vorstellung, dass ein Fremder in ihre Privatsphäre eingedrungen ist als schlimmsten Aspekt der Tat empfanden, gefolgt vom Eindringen in einen geschützten Raum (33 Prozent) und dem Diebstahl von persönlichen Gegenständen (29 Prozent).

Für viele Betroffene bleibt nach dem Einbruch ein Gefühl der Unsicherheit zurück. So gab die Mehrheit der befragten Einbruchsopfer (86 Prozent) an, sich unmittelbar nach dem Einbruch in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr sicher gefühlt zu haben. Dies äußerte sich vor allem in der Angst, erneut Opfer eines Einbruchs zu werden. "Die psychischen Folgen eines Einbruchs umfassen nicht nur ein beeinträchtigtes Sicherheitsgefühl, sondern führen oft auch dazu, dass sich das Leben der Opfer schlagartig ändert. Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Angst vor dem Alleinsein oder Schlafstörungen sind häufige Probleme, mit denen Betroffene nach einem Einbruch konfrontiert sind", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV. Für einige Einbruchsopfer führt das Erlebte zu einer traumatischen Belastung, die mitunter auch psychologisch behandelt werden muss.

Wohnungswechsel als Folge von Angst vor der Rückkehr des Einbrechers

Die geringe Aufklärungsquote von Einbruchsdiebstählen zeigt, dass ein Großteil der Täter nicht gefasst wird. Für manche Einbruchsopfer ist dies ein weiterer Unsicherheitsfaktor, da sie befürchten, dass derselbe Täter zurückkommt und erneut zuschlägt. Im Extremfall kann das soweit führen, dass Personen umziehen. "Wichtig ist, dass man sich nicht scheut, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Gespräche mit vertrauten Personen aber auch mit Psychologen, die im Bereich der Opferhilfe tätig sind, helfen, die Einbruchserfahrung zu verarbeiten. Setzt man sich mit seinen Ängsten auseinander, fällt es leichter, sich in den eigenen vier Wänden wieder wohl zu fühlen", empfiehlt Thann.

Österreichweite Verbandsinitiative zur Bewusstseinsbildung

Der Umfrage zufolge hatten beinahe 50 Prozent der Einbruchsopfer keine Sicherheitsvorkehrungen für ihre Abwesenheit getroffen, wie ein Sicherheitsschloss zu installieren oder eine Alarmanlage zu aktivieren. "Viele Menschen handeln erst, wenn bereits eingebrochen wurde. Dabei können einfache Präventionsmaßnahmen im Vorfeld das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden, verringern", betont Littich. Eigeninitiative und Veränderungen der Gewohnheiten im eigenen Verhalten seien das beste Mittel, um sich und andere vor Diebstahl zu schützen. Damit Österreicherinnen und Österreicher in diesem Bereich ein stärkeres Bewusstsein entwickeln können, werden die Mitgliedsunternehmen der Versicherungswirtschaft selbst aktiv: Über den persönlichen Kontakt zum Berater bekommen Kundinnen und Kunden einen Sicherheitspass, der Checklisten beinhaltet, die auf einfache Änderungen in den Gewohnheiten abzielen.

Checkliste "Das sollte zur Routine werden!"

  • Einstiegshilfen wie Gartenmöbel, Leitern oder Kisten sowie Werkzeug wegräumen
  • Türen immer absperren und Fenster schließen - ein gekipptes Fenster ist für einen Einbrecher ein offenes Fenster
  • Alarmanlage aktivieren
  • Keine Schlüssel unter Fußmatten, Steinen oder Blumentöpfen verstecken - hier sehen Einbrecher als erstes nach
  • Ein üppig bepflanztes, uneinsichtiges Grundstück macht einen ungestörten Einbruch einfacher
  • Fest in der Wand verankerter Tresor für Wertsachen
  • Überblick behalten, wer über einen Schlüssel für die eigenen vier Wände verfügt - bei seriösen Herstellern von Sicherheitstechnik werden Schlüssel für bezugsberechtigte Personen nur gegen Legitimationsnachweise gefertigt
  • Wichtig ist auch ein guter Nachbarschaftskontakt. Wer weißt, was vorgeht, kann ungewöhnliche Aktivitäten erkennen und diese der Polizei sofort melden.
  • Checkliste für Reisen oder längere Abwesenheiten

  • Keine Informationen über die Dauer der Abwesenheit oder den Aufenthaltsort am Anrufbeantworter hinterlassen - am besten ausschalten
  • Haus oder Wohnung sollten bewohnt erscheinen
  • Postkasten von Freunden oder Nachbarn leeren und Werbesendungen von der Tür entfernen lassen
  • Nach- oder Unterbrechungsauftrag für Abos vereinbaren
  • Im Winter für Schneeräumung sorgen
  • Wertgegenstände in einem Bankschließfach deponieren



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