Greenpeace: Atomstromanteil in Österreich höher als behauptet

Verfasst am 21.04.2011


Laut Greenpeace verstecken Energieversorger Atomstrom durch Etikettenschwindel mit Wasserkraftzertifikaten

Wien (OTS) - Die Umweltorganisation Greenpeace ortet einen massiven Etikettenschwindel bei den Stromimporten nach Österreich. Laut Energie-Control (E-Control), dem behördlichen Regulator des österreichischen Strommarktes, stammen sechs Prozent des in Österreich verbrauchten Stroms aus Atomenergie. Bei der derzeit gängigen Praxis sagt der Blick auf die Stromrechnung allerdings nichts darüber aus, ob oder wie viel Atomstrom es in Österreich gibt. "Der Atomstrom verschwindet in Österreich spurlos, jedoch nur scheinbar. In Wirklichkeit wird er durch den Zukauf von Wasserkraftzertifikaten gut versteckt", kritisiert Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof.

Die wenigsten Energielieferanten in Österreich weisen in ihrem offiziellen Strommix einen Atomstromanteil aus und das, obwohl selbst die behördliche Energieregulierungsbehörde E-Control aus den Importzahlen für Österreich sechs Prozent Atomenergie errechnet. Von den Landesenergiegesellschaften geben lediglich TIWAG und KELAG den atomhaltigen ENTSO-E-Mix (früher UCTE-Mix oder europäischer Durchschnittsstrom) an. Signifikante Mengen gibt es auch bei der Verbund-Handelstochter Austrian Power Trading. Ab hier verliert sich jedoch die offizielle Spur.

Die Unternehmen kaufen in großem Umfang Wasserkraftzertifikate, vor allem aus Skandinavien. Damit wird der Mix aus Atom- und Kohlestrom, der von Strombörsen oder aus kurzfristigen Lieferverträgen bezogen wird, umetikettiert und als Wasserkraftstrom ausgewiesen. Dank einer Gesetzeslücke ist es erlaubt, diese Zertifikate, unabhängig vom eigentlichen Strombezug, zu kaufen. Greenpeace schätzt den Anteil an Atomstrom daher auf ungefähr vierzehn Prozent.

"Atomstrom wird mit importierten Zertifikaten nachträglich zu Strom aus Wasserkraft umetikettiert. Zusätzlich werden große Mengen Atomstrom an die Industrie verkauft und so 'verschwindet' der Atomstrom aus der Privatkunden-Bilanz", so Westerhof. Der saubere Strom aus Wasserkraft oder Windenergie wird den Haushaltskunden zugerechnet, und das was dann noch übrig bleibt, ist für die Industriekunden. Diese sind zumeist nicht wählerisch und wollen einfach möglichst billigen Strom. Das ist zwar ein Buchhaltungstrick, der nur auf Papier funktioniert, aber leider ist es Stromlieferanten erlaubt, verschiedene "Produkte" anzubieten.

Greenpeace ruft Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner dazu auf, offen zu legen, wo der Atomstrom mittels Wasserkraftzertifikaten "grüngewaschen" wird, damit es endlich auch für die Endkunden Klarheit über den Atomstromanteil gibt. Außerdem muss der Zertifikatshandel ohne den dazugehörigen Strombezug unterbunden werden. "Das Versteckspiel mit Atomstrom muss ein Ende haben. Die Menschen haben ein Recht auf eine ehrliche Antwort auf die Fragen, welchen Strom und woher sie ihn beziehen", schließt Westerhof.


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Ferdl-73 am 02.05.2011

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