“Ökostrom”-Bezeichnung mit strengeren Regeln

Verfasst am 27.06.2011


Die E-Control will im Namen der Transparenz die Regeln für Ökostrom strenger machen.

Ihre am 22.6. zur Begutachtung eingereichte Verordnung zur Stromkennzeichnung erkennt Elektrizität aus Erneuerbaren Energien nur dann an, wenn ihre Herkunft gemäß EU-Kriterien dokumentiert wurde, so Martin Graf, Vorstand der Regulierungsbehörde, im Pressegespräch.

Auswirkungen auf Strom von den Strombörsen

Auswirkungen wird das vor allem auf den an Europas Strombörsen gekauften Strom geben. Diesem wird traditionell das Etikett "unbekannt" umgehängt, da elektrische Energie ohne Herkunftsnachweise gehandelt wird. Sein Anteil am österreichischen Strommix hat 2009 und 2010 17,5 Prozent betragen. Bisher wurde er nach dem Verteilungsschlüssel des europäischen Energiemix (ENTSO-E) klassifiziert.

In ihrer Verordnung nimmt die E-Control nun Strom aus Wasserkraft und Sonstigen Erneuerbaren aus diesem Verteilungsschlüssel. Der Grund: "Es muss davon ausgegangen werden, dass im Strom unbekannter Herkunft kein Ökostrom enthalten ist", so Graf. Auch Doppelzählungen würde man so vermeiden, da praktisch die gesamte heimische Wasserkraft Teil des ENTSO-E wäre.

Gemäß dem im Dezember 2010 geänderten Elektrizitätswirtschaftsgesetz (Elwog) werde daher in Zukunft der Anteil der Wasserkraft (18,9 Prozent) und der Sonstigen Erneuerbaren (7,2 Prozent) im ENTSO-E nicht mehr berücksichtigt. Dadurch erhöht sich der ausgewiesene Anteil an aus fossilen und nuklearen Quellen gewonnenen Strom auf 64,5 bzw. 35,1 Prozent - und in weiterer Folge der Anteil dieser Energieträger am heimischen Strommix. "Wir werden diese Informationen natürlich auch im Tarifkalkulator der E-Control abbilden", so Graf.

Ökostrom "Made in Austria"

"Es soll an der Strombörse in Zukunft aber auch elektrische Energie gemeinsam mit Herkunftsnachweisen gehandelt werden", so Graf über mögliche Entwicklungen hin zum integrierten EU-Strommarkt, den Energiekommissar Günther Oettinger mit 2014 anvisiert. Bis es soweit ist, werde die E-Control aber den Anteil an Erneuerbaren aus dem Importstrom herausrechnen, so Graf.

In den strengeren Dokumentationspflichten sieht die Regulierungsbehörde auch Chancen für die Ökostromanbieter. "Zum Beispiel kann ein Stromlieferant in Zukunft nur Ökostrom aus Österreich verkaufen", so Graf. Elektrizität "Made in Austria" wäre so möglich. Weiters sieht der Entwurf vor, den Bilanzierungsraum von Stromkennzeichnung und Energielieferung von einem Jahr auf ein Quartal zu verkürzen. Bisher konnte ein Versorger beispielsweise mit Herkunftsnachweisen von Jänner Stromlieferungen im Dezember belegen. "Die zeitnahe Belegung der Stromerzeugung verbessert die Glaubwürdigkeit und Transparenz der Stromkennzeichnung", so Graf.

"Wir gehen am Mittwoch in Begutachtung", sagte Graf. Die dafür angesetzte Frist endet am 27. Juli 2011, mit einer Beschlussfassung rechnet die E-Control im Spätsommer. Die Umsetzung wird für Anfang 2012 anvisiert. Bis dato hat nur die Hälfte der Länder im aus den EU-27 sowie der Schweiz und Norwegen gebildeten europäischen Strommarkt ein funktionierendes Stromkennzeichnungssystem. Die österreichischen Nachbarn Deutschland und Italien haben beispielsweise noch gar keines.

In Österreich selbst wird weit mehr Strom aus Erneuerbaren Energien gewonnen als in Gesamteuropa. 2010 stellte die Wasserkraft 51,6 Prozent der erzeugten Elektrizität. Gas, Öl und Kohle kamen auf 34,9 Prozent und "Sonstige", überwiegend Erneuerbare wie Windkraft, Biomasse, Biogas, und Photovoltaik, brachten es auf 13,5 Prozent.

(APA)

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