ÖAMTC warnt: Gefahr von Wildunfällen im Frühjahr besonders groß

Verfasst am 05.04.2012


Gerade im Frühling und Herbst, ereignen sich vermehrt schwere Unfälle mit Wildtieren.

Wildunfälle in Zahlen

Wildtiere sind besonders im Frühjahr immer wieder Auslöser für schwere Unfälle. Mit den wärmeren Temperaturen werden die Tiere aktiver, die Menschen sind mit der Umstellung auf die Sommerzeit mehr in der Natur und abends länger unterwegs. Für die Wildtiere ist das ein weiterer plötzlicher Stressfaktor, der zu ungewollten Zusammentreffen führen kann. "Insgesamt ereigneten sich nach vorläufigen Unfallzahlen der Statistik Austria im ersten Halbjahr 2011 auf Österreichs Straßen 42 Wildunfälle mit Personenschaden. Dabei wurden 47 Menschen verletzt, eine Person wurde getötet", erklärt ÖAMTC-Verkehrsexperte Markus Schneider.

Für die Tiere gehen diese Unfälle oft dramatisch aus. In der Jagdsaison 2010/2011 verendeten mehr als 78.000 Wildtiere auf Österreichs Straßen, davon 36.054 Rehwild, 24.214 Hasen und 8.558 Fasane (Quelle: Statistik Austria). Gefährlich sind die unerwünschten Begegnungen aber auch für Kraftfahrer. "Bei einem Zusammenstoß mit einem Wildtier treten schon bei niedrigen Geschwindigkeiten sehr hohe Kräfte auf. Trifft man mit 50 km/h auf einen 20 kg schweren Rehbock, wirkt eine halbe Tonne auf Fahrzeug und Fahrer, bei 100 km/h beträgt die Aufprallwucht bereits zwei Tonnen", rechnet Schneider vor. Besonders groß ist das Risiko für Motorradfahrer - auch weil sie oft abgelegene waldreiche Strecken abseits der Hauptverkehrsströme bevorzugen.

So können Technik und Mensch Wildunfälle vermeiden

Auf Straßen mit weniger Verkehr hat sich in Versuchen der Einsatz eines Wildwarngerätes bewährt. Das Gerät arbeitet mit optischen und akustischen Signalen. Bei Dämmerung und Nacht wird das Wild nur bei sich herannähernden Fahrzeugen abgeschreckt. Der Eingriff in den Lebensraum der Wildtiere ist somit geringer als bei anderen Maßnahmen. Denn im Gegensatz zu Wildzäunen und Duftbarrieren können die Tiere, die ansonsten freie Fahrbahn weiterhin queren.

Wer unerwartet bremst, riskiert Mitverschulden

Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) darf ein Fahrzeuglenker nicht plötzlich und für den Nachfolgeverkehr überraschend bremsen. "Wer also wegen eines Tieres bremst, riskiert bei einem Auffahrunfall unter Umständen ein Mitverschulden", erklärt ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer die rechtliche Situation. "Die Judikatur hat sich allerdings dahingehend entwickelt, dass bei einem Zusammenstoß mit einem Wildschwein, Reh oder Hirsch die Gefahr einer Verletzung des Lenkers als so groß gilt, dass nach einem Unfall aufgrund einer Vollbremsung dem Vordermann kein Mitverschulden angelastet wird."

Im Notfall richtig reagieren

So vermeidet man Unfälle mit Tieren:

Wer vorbereitet und aufmerksam fährt, ist bereits sicherer unterwegs.

Beim Gefahrenzeichen "Achtung Wildwechsel" Geschwindigkeit verringern und bremsbereit fahren.

Besondere Achtsamkeit ist neben Feldern, im Wald oder in der Nähe von Gärten und in der Dämmerung bzw. Dunkelheit gefordert.

Im Gefahrenbereich Sicherheitsabstand zum Vordermann vergrößern.

Ist ein Tier an oder auf der Straße sichtbar, bremsen, abblenden und kräftig wiederholt hupen.

Achtung: Ein Wildtier kommt selten allein!

Bei einer Vollbremsung das Lenkrad fest umgreifen, das Fahrzeug nicht verreißen.

Wie man richtig bremst und ausweicht, kann man in einem der neun ÖAMTC-Fahrsicherheitszentren üben.

Sofort anhalten und Unfallstelle absichern (Warnblinkanlage einschalten, Pannendreieck in geeignetem Abstand aufstellen).

Auf jeden Fall so schnell wie möglich - z.B. telefonisch - die Polizei verständigen, auch wenn das (verletzte) Tier weiterläuft. Ein Unterlassen kann eine Anzeige wegen Fahrerflucht zur Folge haben. Für die Kasko-Versicherung wird eine polizeiliche Meldebestätigung des Unfalls benötigt.

Verletzte Tiere nicht berühren. Wer das verletzte oder getötete Wild mitnimmt, macht sich wegen Diebstahls strafbar.






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