Wirtschaftsblatt – So schnüren Sie ein Sparpaket für Ihre Versicherung

Verfasst am 24.02.2012




PRÄMIENVERGLEICH. Wer den Kfz-Versicherungsanbieter wechselt, kann bis zu 429 € sparen. So nebenbei kann man auch dem Finanzamt eins auswischen.



Beamte fallen in Österreich immer auf die Butterseite. Diesen Eindruck könnte man nicht nur dadurch gewinnen, dass ihnen knapp vor Beginn der Sparpaketverhandlungen noch schnell im Schnitt 2,95 Prozent Gehaltserhöhung genehmigt wurde, sondern auch beim Blick auf drei Rechenbeispiele bei der Kfz-Versicherung. Demnach kann ein 52-jähriger Beamter in der Vollkasko-Versicherung für seinen Neuwagen im Jahr bis zu 429 € Prämie sparen, ein Familienvater in der Teilkasko mit seinem Gebrauchten bis zu 303 € und eine junge Studentin mit ihrem fünf Jahre alten Auto bis zu 266 €.

Natürlich ist die Sache nicht ganz so einfach, wie sie auf den ersten Blick scheint. Unsere junge Studentin könnte zum Beispiel genauso gut eine junge Friseurin sein. Fakt ist aber, dass es für bestimmte Berufsgruppen wie etwa für Beamte bei einigen Anbietern Preisnachlässe gibt. Fakt ist aber auch, dass sich die Schadensabteilungen der Versicherungen nicht von Beamtengewerkschaftern vor sich hertreiben lassen, sondern Schadenswahrscheinlichkeitsrechnungen anstellen. Und hier schneiden Beamte oder zum Beispiel auch Frauen in der Kfz-Sparte offenbar besser ab als der Durchschnitt.

DURCHBLICK.

Laut Auskunft von Geschäftsführer Reinhold Baudisch vom Vergleichsportal Durchblicker.at beeinflussen bis zu 30 verschiedene Faktoren die individuelle Prämie. Am gewichtigsten sind in der Haftpflicht zwar Motorleistung und Bonus-Malus-Stufe, aber auch Wohnort, Alter des Lenkers und Fahrleistung bedingen die Prämienhöhe. Das Geschlecht spielt in dieser Hinsicht kaum eine Rolle mehr; dieser Faktor wird aufgrund einer EU-Vorgabe ab Dezember bei Neuverträgen ganz der Vergangenheit angehören.

RISIKOSELEKTION.

Einsparpotenzial ist zwar fast bei jedem gegeben, aufgrund der Fülle an Einflussfaktoren warnt Baudisch aber vor vorschnellen Schlüssen. "Es gibt keinen Versicherer, der bei den individuellen Vergleichen immer ganz vorne oder ganz hinten landet", sagt er. Eindeutig bejaht er hingegen die Frage, ob es Versicherer gibt, die extra Bedacht darauf nehmen würden, in Preisvergleichen bei "Malusfahrern" nicht zu den Bestbietern zu zählen. Risikoselektion sei das A und O des Versicherungsgeschäfts.

"Wer in der Lage ist, Kunden mit weniger Schäden auszuwählen, ist nachhaltig profitabler", erklärt Baudisch. 60 Prozent aller Autofahrer in Österreich sind übrigens in der Bonusstufe null. Auf diese risikoarme Gruppe spitzen die Versicherer und wollen sie möglichst lange im Portfolio behalten. Eines der Kundenbindungsprogramme besteht darin, dass Bonusstufen unter der offiziellen Verbandsstufe null angeboten werden. Diese Bonusstufe kann bei einem Anbieterwechsel aber nicht mitgenommen werden. Der Vorteil solcher Bonusstufen für den Kunden besteht darin, dass er "Freischäden" bei seinem Versicherer hat, ohne dass sich die Prämie verteuert.

SAFTIGE ZUSCHLÄGE.

Besonderes Einsparpotenzial haben Versicherungsnehmer, die ihren Vertrag vor fünf oder sechs Jahren abgeschlossen haben, weil damals der Markt noch nicht so heiß umkämpft war. "2006 war für die Versicherer punkto Profitabilität ein Rekordjahr", sagt Baudisch.

Einsparpotenzial ergibt sich auch durch die Umstellung von monatlicher, vierteloder halbjährlicher Zahlweise auf Jahresintervalle. Die Versicherer selbst verlangen zwar meist nur dann Unterjährigkeitszuschläge, wenn nicht mittels Bankeinzug bezahlt wird, das Finanzamt erhebt auf die motorbezogene Versicherungssteuer aber saftige Unterjährigkeitszuschläge. Wer es also schon nicht übers Herz bringt, seinem Versicherungsvertreter den Laufpass zu geben, sollte zumindest unserer Finanzministerin durch die Umstellung auf jährliche Zahlweise seine Reverenz erweisen.




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