Fragwürdiger Regierungsbeschluss verteuert Autoversicherung ab 1.1.2012

Verfasst am 17.11.2011


Das Verbraucherportal durchblicker.at kritisiert die am Dienstag im Ministerrat beschlossene Anhebung der Mindestversicherungssummen für Konsumenten bei Kfz-Versicherungen. Die Preise werden deshalb bei allen betroffenen Verträgen um bis zu 3 Prozent steigen. Rund die Hälfte der heimischen Kfz-Kunden, also etwa 2 Millionen Autofahrer, wären davon betroffen. Die Experten verweisen auf ein Sonderkündigungsrecht und raten zum Anbieterwechsel, wenn eine Verteuerung zu Jahreswechsel tatsächlich in Kraft tritt.

Der Ministerrat hat am Dienstag eine Anhebung der Mindestversicherungssumme in der Kfz-Haftpflichtversicherung von 6 auf 7 Mio. Euro beschlossen. Die Änderung gilt bereits ab 1.1.2012 für alle bestehenden und neuen Versicherungsverträge. Die Experten von durchblicker.at sehen darin eine reine Verteuerung ohne wirklichen Mehrwert für die Konsumenten.

Preiserhöhungsaktion ohne Mehrwert für Konsumenten

Schäden jenseits der 6 Mio. Euro sind in Österreich extrem selten, wenn sie aber eintreten, können sie auch deutlich mehr als die jetzt beschlossenen 7 Mio. Euro ausmachen. „Selbst wenn jedoch so ein Extremfall eintritt, ist ohnehin der Versicherer verpflichtet den Schaden unlimitiert zu begleichen“, so Reinhold Baudisch von durchblicker.at.

Der Versicherer muss sich in einem solchen seltenen Fall dann beim Konsumenten das Geld zurückholen, was in den meisten Fällen aussichtlos ist, den Konsumenten aber in den finanziellen Ruin treiben kann. „Deshalb finden wir es grundsätzlich gut, wenn die Versicherungssummen erhöht werden, aber wenn dann bitte ordentlich,“ so Reinhold Baudisch. „Die geringe Anhebung der Versicherungssumme löst das Problem aus Konsumentensicht nicht, die Versicherungsbranche hingegen profitiert von den steigenden Versicherungsprämien. Die jetzt beschlossene Summenanhebung verkommt damit in erster Linie zu einer gesetzlich beauftragten Preiserhöhungsaktion auf dem Rücken der Konsumenten.“

Der Versicherungsexperte appelliert an das Parlament: „Wenn der Gesetzgeber tatsächlich die Konsumenten vor etwaigen Regressforderungen der Haftpflichtversicherung bewahren möchte, sollte er die Haftungsgrenzen gleich auf jenseits der 10 Mio. Euro anheben. Denkbar wäre auch eine gänzlich unlimitierte Haftung, wie dies bereits in Frankreich und Ungarn der Fall ist. Nachdem Schadensfälle in dieser Höhe ohnehin fast nie eintreten und bei Eintritt die Versicherung ohnehin auf dem Schaden sitzenbleibt, würde sich eine solche Regelung auf die Tarife vermutlich auch nicht deutlich stärker auswirken als die Erhöhungen, die wir jetzt beobachten werden.“

Verteuerung um bis zu 3 Prozent - 2 Millionen Autofahrer betroffen

Auch wenn der Nationalrat formal noch zustimmen muss, ist die Änderung offenbar bereits beschlossene Sache. Die Branche hat die neuen Bestimmungen zum Teil bereits vorweggenommen: Baudisch: „Einzelne Anbieter haben den Abschluss von Kfz-Versicherungen mit 6 Mio. Euro Deckungssumme bereits eingestellt. Die Neuangebote ab 7 Mio. Euro Deckungssumme kosten um bis zu 3 Prozent mehr.“ Für bestehende Verträge, deren Deckungssumme per 1. Jänner angepasst werden muss, stehe damit eine ähnliche Verteuerung ins Haus.

Durchblicker.at schätzt auf Basis der eigenen Vergleichsdaten (Basis rund 1 Mio. Vergleiche), dass von der Erhöhung rund die Hälfte der Versicherungsnehmer bzw. umgerechnet rund 2 Millionen Autofahrer betroffen sein könnten. Ein Lichtblick für Konsumenten angesichts dieser Preiserhöhung: Durch die außerordentliche Prämienanpassung haben Versicherungskunden ein Sonderkündigungsrecht und können die Gelegenheit nützen, zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln.

Sonderkündigungsrecht: Wechsel des Versicherers kann bis zu 400 Euro sparen

Reinhold Baudisch rät daher dazu, jetzt die Angebote am Markt zu vergleichen und gegebenenfalls das Kündigungsrecht in Anspruch zu nehmen. Dazu muss der Kunde innerhalb von 30 Tagen nach der Information durch die Versicherung den Vertrag aufgrund der Tarifanpassung nach §14a KHVG kündigen. Danach hat der Kunde noch einmal 30 Tage Zeit, eine neue Versicherung abzuschließen.

Der Versicherungsvergleich auf durchblicker.at zeigt, dass das Einsparpotenzial enorm ist. Bis zu 400 Euro können Konsumenten aktuell durch den Wechsel der Kfz-Haftpflichtversicherung sparen. Ein 36-jähriger Mann aus Niederösterreich mit einem VW-Passat mit 103kw etwa zahlt für eine Haftpflichtversicherung mit Mindestdeckung beim günstigsten Anbieter derzeit 925 Euro im Jahr, beim teuersten Anbieter 1.322 Euro. Noch höher sind die Preisdifferenzen bei Kaskoversicherungen. Dort beträgt der Unterschied zwischen günstigstem und teuerstem Anbieter sogar bis zu 700 Euro.

„Hat der Konsument nicht schon bisher den günstigsten Versicherungsanbieter gewählt, kann er zumindest jetzt den Anbieter wechseln und so die Preiserhöhung mehr als kompensieren“, so Reinhold Baudisch.

Über durchblicker.at

durchblicker.at erstellt seit 2010 aktuelle Tarif-Vergleiche für Konsumenten in Österreich. Das Unternehmen ist auch Partner der AK Oberösterreich und beschäftigt 12 Mitarbeiter. Als erstes unabhängiges Internet-Portal für den Vergleich von Fixkosten sorgt durchblicker.at für Transparenz bei den Preisen, findet für die Konsumenten aus dem gesamten Angebot für den Bedarf den individuell günstigsten Anbieter und übernimmt auch die Formalitäten des Anbieterwechsels. Damit schafft durchblicker.at mehr Wettbewerb und bringt mit den neuen Möglichkeiten des Internets den österreichischen Markt in Schwung.

Das Vergleichsportal umfasst derzeit Marktvergleiche für Kfz-, Motorrad-, Fahrrad-, Haushalts- und Rechtsschutzversicherungen, Bausparen, sowie Preisvergleiche für Strom und Gas. Eine Ausdehnung des Vergleichsportals auf weitere Versicherungsprodukte und andere Fixkosten des täglichen Lebens ist in Arbeit. Weitere Informationen unter https://durchblicker.at.

Weiterführende Links:

Informationen zum Sonderkündigungsrecht

Rückfragehinweis:

Mag. Reinhold Baudisch, MBA
Geschäftsführer durchblicker.at
Tel. 01-23060-3580
Mobil: 0699-17180604
Email: r.baudisch@durchblicker.at



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