Format – Schutz für Heim & Haus

Verfasst am 24.02.2012




Viele Haushaltsversicherungen haben gefährliche Lücken. FORMAT zeigt, worauf man in der Polizze achten muss, damit die Assekuranz nicht die Zahlung im Schadensfall verweigert.

Funkelnd spiegelt sich die Sonne im Schnee. Das Wetter ist herrlich. Perfekt für ein Skiwochenende des schon etwas höhersemestrigen Studenten Stephan G. Doch bei der letzten Abfahrt übersieht er einen langsameren Snowboarder und fährt ihn über den Haufen. Das Schlamassel ist perfekt: Wie sich einige Wochen später herausstellt, bleibt das Opfer dauerhaft invalid und hat Anspruch auf eine monatliche Zahlung von 2.000 Euro. Stephan G. ist so gut wie ruiniert, weil er schon zu alt für die elterliche Haftpflichtversicherung ist. Hätte der Student wenigstens eine billige Basispolizze abgeschlossen, wäre zumindest die finanzielle Katastrophe ausgeblieben.

Die Eine-Million-Euro-Frage. Wegen der möglicherweise existenzbedrohenden Folgen sollte bei der maximalen Deckungssumme der Haftpflicht, die grundsätzlich in allen Haushalts- und Eigenheimversicherungen inkludiert ist, nicht gespart werden. Franz Starritz, Versicherungsmakler bei Nanke & Partner: "Gerade in Hinblick darauf, dass bei einem Unfall Dritte geschädigt werden können, ist eine Schadenssumme von mindestens einer Million Euro unbedingt notwendig.“

Übrigens: Jugendliche sind bis zur Volljährigkeit oder solange sie kein regelmäßiges Einkommen haben, bei den Eltern mitversichert. Allerdings nur wenn sie im gemeinsamen Haushalt leben. Sobald sie ausziehen, gilt der Schutz nicht mehr.

Von billigen Haushaltsversicherungen für Studenten und Berufseinsteiger hält der Versicherungsexperte allerdings wenig: "Wenn das Hab und Gut nur mit ein paar Tausendern versichert ist, kommt es im Extremfall, etwa bei einem Wohnungsbrand, schnell zu einer Unterdeckung. Im Falle einer Wohngemeinschaft ist es zum Beispiel die geschicktere Variante, gleich eine eigene Polizze für die ganze WG abzuschließen, die den echten Wert abbildet. Dort kann man für alle eine anständige Privathaftpflicht mit hineinnehmen.“

Nicht nur bei Studenten ist das Thema Unterversicherung eine latente Gefahr. Ein Paradebeispiel für ein böses Erwachen im Schadensfall ist eine Haushaltsversicherung, die noch zu Zeiten der Ikea-Einrichtung abgeschlossen, aber nicht an die neuen teuren Möbel angepasst wurde. Starritz: "Entspricht die maximale Deckungssumme nicht dem tatsächlichen Wert der Wohnung samt Einrichtung, kommt die Versicherung im Fall der Fälle nicht für den gesamten Schaden auf. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann bis zum finanziellen Ruin führen.“ Um sich die Mühe einer Berechnung des Wohnungsinhaltes zu ersparen, gibt es viele Anbieter, die nur von der Anzahl der Quadratmeter ausgehen und bei Haushaltspolizzen drei bis vier Ausstattungskategorien von einfach bis luxuriös anbieten.

Nicht nur bei steigendem Lebensstandard empfiehlt sich ein regelmäßiger Polizzencheck. Neue Tarife enthalten oft breitere Deckungen, etwa für sogenannte Tätigkeitsschäden wie etwa das Fallenlassen eines wertvollen Geschirrs, das man als Gast bei Bekannten zu Tisch trägt. Außerdem bieten aktuelle Polizzen oft schon eine weltweite Deckung an.

Damit Assekuranzen nach einem Profi-Einbruch nicht bloß Mindestsummen für Schmuck und teure Wertsachen zah-len, ist schon beim Einbau eines Wandsafes auf gewisse Grundregeln zu achten. Starritz: "Ein Mauersafe sollte ein Markenprodukt sein und vorschriftsgemäß eingemauert werden. Wird der Safe aus Kostengründen von einem Pfuscher eingemauert und die Versicherung bemängelt etwas, geht man weitgehend leer aus.“ Tipp: Besonders teuer eingerichtete Objekte, in denen auch der eine oder andere alte Meister an der Wand hängt, finden in Standardangeboten keinen ausreichenden Versicherungsschutz. Starritz: "In solchen Fällen ist es besser, Einzelangebote einzuholen. Assekuranzen wie etwa Allianz oder Uniqa bieten auch eine spezielle Zusatzversicherung für Kunstgegenstände an.“

Nicht mehr als zwei Promille. Wie eine kürzlich vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Oberösterreich durchgeführte Studie belegt, fallen Prämien für Haushaltspolizzen sehr unterschiedlich aus. Für eine 100 Quadratmeter große Wohnung lag die Bandbreite für die Haushaltsversicherung zwischen 162 und 302 Euro Jahresprämie. Faustregel von Makler Starritz: "Eine günstige Prämie für eine Basis-Haushaltsversicherung ohne Selbstbehalt darf nicht mehr als zwei Promille der maximalen Schadenssumme pro Jahr kosten.“ Das ergibt zum Beispiel für eine 80 Quadratmeter große Wohnung mit einer Deckungssumme von maximal 100.000 Euro eine Jahresprämie von 200 Euro. Eine einfache Online-Vergleichsmöglichkeit findet sich bei durchblicker.at oder auch unter news.at unter den Unterpunkten Wirtschaft, Vergleichsrechner.

Wer die Versicherung nicht für Kleinschäden heranziehen will, kann mittels ei-nes Selbstbehaltes die Prämie niedrig halten. Starritz: "Schon mit einem geringen Selbstbehalt von 110 Euro halbiert sich oft die jährliche Prämie für die Haushaltspolizze.“ Eine Statistik der Raiffeisen Versicherung zeigt nämlich, dass die häufigsten Schäden, die bei der Haushaltspolizze eingereicht werden, Glasbruch betreffen. Da die Bearbeitungskosten oft die tatsächliche Entschädigung von Bagatellschäden weit übersteigen, sind die Versicherungen großzügig bei Selbstbehaltstarifen.

Außerdem gilt: Muss die Assekuranz zu oft für Kleinschäden einspringen, wird mitunter der ganze Vertrag gekündigt. Das ist sehr unangenehm, weil das in den Datenbanken gespeichert wird und die Prämie für die Folgepolizze extrem teuer macht. Klaus Pekarek, Chef der Raiffeisen-Versicherung: "Wenn Kleinschäden übernommen werden, ist das für viele Kunden ein angenehmer Nebeneffekt. Der eigentliche Sinn jeder Versicherung ist aber, dass Schäden, die die Existenz gefährden, bezahlt werden“ (siehe Interview S. 72).

Basispaket: Polizzen, auf die man nicht verzichten sollte

Haushalts/Eigenheimversicherung mit Haftpflicht. Diese Polizzen schützen vor existenziellen Schäden und springen ein, wenn zum Beispiel ein Feuer das Eigenheim zerstört oder ein Wasserschaden die Wohnung überflutet. Außerdem inkludieren die Polizzen in aller Regel eine private Haftpflichtversicherung.

Reiner Risiko-Ablebensschutz. Besonders für junge Familien mit Kindern sehr wichtig (aber zum Beispiel für Singles entbehrlich). Die Prämie ist relativ gering. Stirbt ein Partner, so drohen wenigstens für einen gewissen Zeitraum keine finanziellen Engpässe.

Unfallpolizze. Diese Versicherungen dienen der finanziellen Absicherung. Die Höhe der Zahlung orientiert sich im Schadensfall am Invaliditätsgrad.

Rechtsschutzversicherung. Kosten, die im Streitfall anfallen, werden von der Polizze gedeckt. Assekuranzen verfügen oft über einen Pool an Rechtsanwälten, die auch beratend zur Seite stehen.


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