ORF Konkret – Lebensversicherungen werden durch Unisex-Richtlinie bald teurer

Verfasst am 23.09.2012


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Reiterer Claudia (ORF)

Für Frauen könnten die Lebensversicherungen in den kommenden Wochen um bis zu 80 Prozent teurer werden, warnen Fachleute. Laut der EU-Gleichbehandlungsrichtlinie müssen Versicherungen für Frauen und Männer ab dem 21-sten Dezember heuer nämlich gleich viel kosten - also harmonisiert werden. Von Harmonie keine Spur, denn es wird nicht nach unten, sondern nach oben angeglichen, berichtet Thomas Nemeth.

Nemeth Thomas (ORF)

Frauen in Österreich leben - das weisen die Statistiken aus - länger als Männer. Daher sind auch die Lebensversicherungen für Frauen üblicherweise zumeist günstiger. Ab dem einundzwanzigsten Dezember ist damit aber Schluss, so Reinhold Baudisch vom Internet Verbraucherportal "durchblicker.at".

Baudisch Reinhold

Durch die Unisex-Richtlinie der EU, die am 21-sten Dezember 2012 schlagend wird, werden sich die Prämien für Männer und Frauen harmonisieren - das heißt, Männer und Frauen bezahlen gleich viel für das gleiche Produkt.

Nemeth Thomas (ORF)

Und das ist die EU-Richtlinie 2004/113 zur Gleichbehandlung von Männern und Frauen bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen. Gleiches Recht für alle heißt in diesem Fall auch gleiche Pflichten für alle und das heißt wiederum gleich tief in die Geldbörse zu greifen. Besonders hart könnte die Unisex-Richtlinie Frauen treffen, die sogenannte Ablebensversicherungen abschließen wollen, denn wer meint, dass die Preise für diese Lebensversicherungen fallen werden, der irrt.

Baudisch Reinhold:

Ja, derzeit ist es schon so, dass Männer 80 Prozent mehr, bis zu 80 Prozent mehr bezahlen als Frauen für das gleiche Versicherungsprodukt. Durch die Unisex-Richtlinie werden sich diese Prämien harmonisieren und dadurch, dass aktuell mehr Versicherungsprodukte im Bereich der Ablebensversicherungen von Männern abgeschlossen werden als von Frauen müssen wir davon ausgehen, dass sich die Frauenprämien den Männerprämien anpassen werden. Das heißt im Worst Case eine Prämiensteigerung von bis zu 80 Prozent für Frauen.

Nemeth Thomas (ORF)

Erste Versicherungsgesellschaften bestätigen diese Rechnung. Seitens des Verbandes der Österreichischen Versicherungswirtschaft will man dazu allerdings vorerst nicht Stellung nehmen. Die Pressesprecherin verweist uns auf den diesbezüglichen Pressetext, in dem Risikogerechtigkeit gefordert wird.

Baudisch Reinhold:

Aktuell rechnen die Versicherungsmathematiker in den Versicherungsanstalten noch wie wild mit spitzem Bleistift und sicher ganz komplizierten Computermodellen. Wir können aber davon ausgehen, dass die groben Berechnungen bereits abgeschlossen sind und aktuell die Produkteinführungen vorbereitet werden.

Nemeth Thomas (ORF)

Egal wie hoch die neuen Preise sein werden, Experten raten auch diese umgehend zu vergleichen, denn Erfahrungen zeigen, dass fast idente Produkte bereits jetzt zu höchst unterschiedlichen Preisen angeboten werden.

Baudisch Reinhold

Erstens ist es sehr wichtig zu vergleichen, weil, wie schon angesprochen, bis zum Doppelten bezahlt, wer nicht vergleicht. Und zweitens: bitte beeilen Sie sich, denn Sie haben nur mehr vier bis sechs Wochen Zeit, bis die Versicherer ihre Tarife an die Unisex-Richtlinie anpassen und dann gehen die Prämien hoch.

Nemeth Thomas (ORF)

Nicht ganz so dramatisch sieht man das im Verein für Konsumenteninformation. Immerhin könnten Frauen bei dieser Gelegenheit gleich ihre Versicherungen durchforsten.

Kreindl Gabi (VKI - Verein für Konsumenteninformation)

Also wir raten einmal nicht nur aufgrund dieser Veränderung einen neuen Vertrag abzuschließen, sondern zuerst steht einmal im Vordergrund das Risiko zu prüfen. Also welches Risiko habe ich überhaupt und was möchte ich absichern. Und dann geht es auch darum bestehende Verträge anzuschauen - was habe ich überhaupt schon und das ist vielleicht auch ein guter Zeitpunkt hier wieder einmal eine Policenprüfung vorzunehmen um zu schauen, was, welche Verträge habe ich, wie lange laufen die noch, was brauche ich´überhaupt noch oder brauche ich überhaupt was Neues?

Nemeth Thomas (ORF)

Und vielleicht könnte es dann sogar so sein, dass Ihnen mehr Geld übrigbleibt als zuvor.

Quelle: Konkret: Das Servicemagazin vom 21.09.2012 18.30 Uhr


Kommentare:

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Kommentare


t.e. am 01.10.2012

Werden nur dei Lebens- oder alle Versicherungen angeglichen? Kfz gibts ja teilweise auch sehr große Unterschiede zugunsten der Frauen.

durchblicker.at am 01.10.2012

wir vergleichen die meisten versicherungen, nur im beitrag für orf haben wir uns die lebensversicherung als besonders betroffene sparte herausgegriffen.


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