Trend – Wer den Schaden hat …

Verfasst am 07.05.2012


Franz C. Bauer schreibt im "Trend" über Kfz-Versicherung und den Vergleich im Internet. durchblicker.at durfte für diesen Beitrag die Prämienvergleiche beisteuern.



… braucht sich vor den finanziellen Folgen nicht zu fürchten. Vorausgesetzt, die Versicherung übernimmt die Kosten. Ein trend-Fahrplan zur passenden Polizze für Ihren fahrbaren Untersatz - die derzeit so günstig zu haben ist wie schon lange nicht.

Die Sache klingt eigentlich ganz einfach: Erst einmal zum Autohändler, Vertrag unterschreiben. Dann ein kurzer Anruf bei der Versicherung: Bitte ummelden! Und schon wenige Stunden später sind der automobilen Freiheit im neu erworbenen Prachtstück keine Grenzen gesetzt.

Wer so verfährt, kann allerdings sicher sein: dass er oder sie mit größter Wahrscheinlichkeit bei einer überteuerten Polizze landet. "Das Angebot ist extrem breit gestreut. Für normale Konsumenten ist es praktisch unmöglich, sich da zurechtzufinden“, warnt Franz Starritz, Geschäftsführer der Versicherungsmaklerei Nanke & Partner, vor voreiligen (Ab)Schlüssen. "Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Prämienhöhe. Da gibt es nicht nur Prämienstufe, Motorisierung und - bei der Kaskoversicherung - Anschaffungswert des Fahrzeugs. Entscheidend sind auch das Alter des Fahrers und manchmal sogar der Wohnort“, weiß Reinhold Baudisch, Gründer und Geschäftsführer der Internetplattform "Durchblicker“. trend listet im Folgenden die elf verhängnisvollsten Fehler und wichtigsten Tipps auf, damit Sie bei einem Abschluss günstig davonkommen.

1 Achtung vor der Internetfalle.

Klar ist: Ohne Vergleich geht’s natürlich nicht, und das Internet bietet Konsumenten die einfachste Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über den Markt zu verschaffen. Verschiedene Internetplattformen (etwa www.durchblicker.at) haben Versicherungsrechner installiert, die eine Orientierung ermöglichen. Doch wer gleich beim billigsten Anbieter anklickt, dem drohen möglicherweise Enttäuschungen. Erst bei direktem Kontakt mit den Marktteilnehmern lassen sich die Angebote tatsächlich bewerten: Gratis-Bonusvorrückung, Freischadengutschein und mehr sind Zusatzleistungen, die Beratung durch Makler oder persönliche Verhandlungen voraussetzen.

2 Der Autohändler als Versicherungsmakler.

Vor allem bei einem Neuwagenkauf kann das so manche positive Überraschung bringen. Praktisch alle größeren Importeure offerieren beim Kauf eines Neuwagens auch gleich eine Versicherung. Da hier meist mehrere hundert, oft auch Tausende Polizzen pro Jahr abgeschlossen werden, erhalten die Importeure von den Assekuranzen Top-Konditionen, die vor allem für kleinere Makler (und selbstverständlich für Privatkunden) unerreichbar bleiben. Da der Verkauf von Versicherungen für Autoimporteure aber nur ein Nebenschauplatz ist, reichen sie diese Konditionen weitgehend an ihre Kunden weiter. Lassen Sie sich daher erst ein Angebot von Ihrem Autohändler geben, und zeigen Sie es Ihrem Makler. Aber Vorsicht: Achten Sie darauf, dass der Verkäufer die günstigen Versicherungskonditionen nicht durch geringere Rabatte beim Autokauf wieder wettmacht.

3 Vorsicht vor dem Kasko-Dschungel.

Praktisch jede Assekuranz hat da ein eigenes Paket geschneidert - Vergleichbarkeit daher: gleich null. Definieren Sie Ihre Bedürfnisse, und lassen Sie sich Angebote auf deren Basis vorlegen. Die wichtigsten zu versichernden Risiken: Diebstahl, Vandalismus, Glasbruch, Parkschäden und der Einfluss von Naturgewalten.

4 Wohnort beeinflusst Prämienhöhe.

Manche Versicherungen offerieren je nach Wohnort unterschiedliche Prämien. So kann etwa der Fall eintreten, dass für ein an einer Ostgrenze gemeldetes Auto ein günstigeres Haftpflichtangebot gelegt wird, da die Verkehrsdichte in grenznahen Regionen geringer ist als in den Städten, entsprechend niedriger fällt das Unfallrisiko aus. Die Haftpflichtprämie kann hingegen im gleichen politischen Bezirk teurer sein als in Ballungsräumen, weil das Diebstahlrisiko durch grenzüberschreitend agierende Banden höher eingeschätzt wird. Wer über mehrere Meldeadressen (oder Familienmitglieder mit entsprechendem Hauptwohnsitz) verfügt, kann hier sparen.

5 Bindungsangst lohnt sich.

Aus der gesetzlichen Haftpflichtversicherung ist ein Ausstieg jährlich möglich, und auch bei Kaskoversicherungen sieht das Konsumentenschutzgesetz Kündigungsmöglichkeiten vor. Doch immer wieder werden Verträge mit längerer Laufzeit geschlossen - unseriöse Versicherungsmakler versuchen dann gern, eine Vertragsauflösung durch ein "Gegengeschäft“ zu kompensieren. Typisches Muster: Ich erlaube dir, deine Vollkasko in eine Teilkasko umzuwandeln, und du schließt dafür eine Rechtsschutzversicherung ab.

6 Vorrückung dank Rechtsschutz.

Den braucht ohnedies jeder Autofahrer, denn Unfälle drohen immer. Manche Anbieter stufen Kunden in eine günstigere Bonusstufe ein, wenn sie mit Haftpflicht- oder (häufiger) Kaskoversicherung gleich eine Rechtsschutzversicherung mit abschließen. Fragen Sie danach!

7 Die Selbstbehaltsfalle.

Ein Selbstbehalt reduziert die Prämie. Kaskoversicherungen ohne Selbstbehalt gibt es ohnedies kaum, und das ist auch gut so. Grundsätzlich sollte nämlich jede Versicherungspolizze so abgeschlossen werden, dass sie nur größere Schäden deckt. Bagatellschäden kann jeder selbst begleichen, hier wäre der Verwaltungsaufwand pro Einzelschaden auch zu groß. Wichtig ist aber, dass jeder Selbstbehalt zahlenmäßig nach oben begrenzt ist - etwa auf 300 oder 500 Euro. Unbedingt zu vermeiden sind proportionale Selbstbehalte ohne Deckelung. Wer sich darauf einlässt, fünf Prozent eines Schadens zu bezahlen, der kommt bei einem Schaden von 5000 Euro mit 250 Euro günstig weg. Doch ein Totalschaden - etwa durch Diebstahl - kann in diesem Fall Tausende Euro an Selbstbehalt kosten, sofern keine Selbstbehaltsobergrenze definiert wurde.

8 Sparen beim Selbstbehalt.

Manche Versicherungen verfügen über eine Liste von Vertragswerkstätten. Lassen Sie Ihr Fahrzeug im Schadensfall bei einer solchen reparieren, dann kann dies - eine entsprechende Vereinbarung vorausgesetzt - zu einem Nachlass für den Selbstbehalt führen. Andererseits können Sonderausstattungen eine Polizze empfindlich verteuern. Bei dieser Gelegenheit: Brauchen Sie wirklich eine Vollkaskoversicherung? Die meisten Alltagsschäden deckt ohnedies die (Teil)Kaskoversicherung. Lediglich der selbst verschuldete Unfall ist da nicht enthalten.

9 Der Geschäftsführer-Bonus.

Sind Sie Geschäftsführer eines Unternehmens, das einen Fuhrpark betreibt? Manche Assekuranzen locken damit, dass das Geschäftsführerfahrzeug automatisch und unabhängig vom Schadensverlauf in die niedrigste Bonusstufe null gereiht wird. Fragen Sie nach!

10 Die Last der Jugend.

Jugendliche Fahrer sind der Horror jeder Versicherung. Den hier ungünstigen statistischen Schadensverlauf kompensieren die Versicherungen mit hohen Prämien, manche Anbieter versuchen überhaupt, Abschlüsse zu vermeiden. Es kann somit weitaus billiger kommen, das Fahrzeug zunächst auf einen Elternteil zuzulassen. Eine erreichte Bonusstufe darf später innerhalb der Familie weitergegeben werden.

11 Lassen Sie den Makler mitverdienen!

Wer eine Polizze direkt in einer Versicherungszentrale abschließt, bekommt einen Rabatt von (mindestens) sieben Prozent. Vor allem bei größeren Assekuranzen, die relativ zum Markt teure Polizzen anbieten, sind zusätzliche Nachlässe bis in die Gegend von 50 Prozent üblich. Rabatt gibt’s freilich auch bei Maklern oder den Außenstellen der Versicherungskonzerne. Hier kann es sich aber im Schadensfall bezahlt machen, einen etwas höheren Preis für die Polizze zu akzeptieren, wenn Makler oder Versicherungsvertreter zwischengeschaltet sind: Vor allem bei heikleren Fällen ist deren persönliche Beratung wertvoll. Bei "Direktionspolizzen“ oder Internetversicherern erfolgt diese Beratung mitunter standardisiert durch wenig qualifizierte Mitarbeiter von Callcentern.

Tatsache ist jedenfalls: Die Gelegenheit, zu einer billigeren Versicherung zu wechseln, ist günstig. Derzeit liefern sich die Assekuranzen nämlich heftige Preisschlachten. "Nach meiner Beobachtung folgt das einem Rhythmus von ungefähr zehn Jahren“, so Versicherungsmakler Starritz. Etwa fünf Jahre lang unterbieten einander die Versicherungen mit immer niedrigeren Preisen und immer höheren Rabatten. Dann folgt das böse Erwachen, die Verkaufstrupps werden angewiesen, bei Abschlüssen stärker auf eine ausreichende Spanne zu achten, es folgt ein halbes Jahrzehnt mit höheren Prämien. "Was sich derzeit am Markt abspielt, hab ich schon lang nicht mehr gesehen“, so Starritz. Viel billiger wird es seiner Meinung nach jedenfalls kaum noch.

Quelle:

"trend" Nr. 05/2012 vom 30.04.2012 Seite: 108,109,111 Ressort: Geld von Franz C. Bauer


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