VersicherungsJournal.at – „Durchblicker”-Werbung löst Unmut bei Maklern aus

Verfasst am 13.10.2015




13.10.2015 – Mit seiner aktuell laufenden Fernsehwerbung hat das Vergleichsportal den Unmut manches Vermittlers auf sich gezogen. In dem Spot will ein Versicherungsverkäufer, der „Schwatzkopf“, einer Autofahrerin eine Kfz-Versicherung samt Pensionsvorsorge „aufschwatzen“. Während man in der Maklerschaft mit diesem Vermittler-Bild wenig Freude hat, spricht der Durchblicker von einer „mit Augenzwinkern“ gemeinten Kampagne.

Vor kurzem hat die Yousure Tarifvergleich GmbH, die das Portal „Durchblicker.at“ betreibt, eine neue TV-Werbekampagne für ebendieses gestartet. Inhaltlicher Aufhänger in dem Werbespot, der auch auf Youtube abrufbar ist, ist eine Auto-Versicherung.

Der Plot in kurzen Worten: Eine Frau sitzt in ihrem Auto, ein Mann mit übergroßem Kopf steht neben ihr und will ihr zusätzlich zu einer Kfz-Versicherung, die ihr „etwas wert“ sein müsse, noch eine Pensionsvorsorge verkaufen. Die Frau meint daraufhin, sie spare sich den „Schwatzkopf“ und „zaubert“ ihn weg, dann beginnt sie mit ihrem Tablet auf durchblicker.at zu vergleichen.

Im Fernsehen läuft der 25-sekündige Werbespot seit ein paar Tagen. Auf Youtube wurde das Video knapp 41.400 Mal angesehen. Dort erhielt es bisher 77 positive und 53 negative Bewertungen. Ob auch der eine oder andere Versicherungsvermittler unter dem Video auf „Daumen runter“ gedrückt hat, ist freilich nicht ersichtlich, auszuschließen ist es aber nicht.

Reaktionen von Maklern und Kunden

Denn wie Rudolf Mittendorfer, Geschäftsführer der Verag Versicherungsmakler GmbH und Konsumentenschutz-Sprecher des Fachverbands der Versicherungsmakler, dem VersicherungsJournal sagte, hätten sich bereits einige Makler wegen des „Durchblicker“-Spots an ihn gewandt.

Auch von Kundenseite sei er darauf angesprochen worden. „Der Kunde wollte wissen, ob ich mich beleidigt fühle“, berichtet Mittendorfer. „Ich habe ihn einfach gefragt, ob er mich für einen Schwatzkopf hält. Die Antwort war ‚Nein‘. Worauf meine Antwort war und meine Meinung ist: Wieso soll ich mich dann beleidigt fühlen?“

„Kein Makler ist ein Schwatzkopf“

Erledigt ist das Thema für ihn damit dennoch nicht: „Kein Makler, kein Agent, kein angestellter Versicherungsberater ist ein Schwatzkopf“, sagt Mittendorfer.

Den Makler treffe eine anspruchsvolle Beratungs- und Hinweispflicht, die für die Kunden „weder durch Deuten noch durch Filmchen“ zu ersetzen sei. Die „komplexe Interaktion zwischen Berater und Kunden“ beim Versichern erfordere „fachkundige, vertrauensvolle und persönliche Beratung“.

Online-Portale seien aus seiner Sicht mit der Arbeit eines Maklers aus Fleisch und Blut nicht vergleichbar, sagt Mittendorfer. Der Kunde brauche seinen Berater „vorvertraglich, beim Abschluss, zwischendurch bei Rückfragen und Veränderungen – und natürlich im Schadenfall“.

Schließlich verweist er auf den persönlichen Test, den Marktforscher Robert Sobotka jüngst durchgeführt hat (VersicherungsJournal 9.10.2015). Dieser Test zeige „genau in die gegenteilige Richtung“ dessen, was in der Durchblicker-Werbung dargestellt wird. „Er beklagt, dass ‚Versicherungsberater‘ sich offenbar viel zu wenig bei ihren Kunden melden“, so Mittendorfer.

Durchblicker: Kampagne „mit Augenzwinkern“

Das VersicherungsJournal hat Reinhold Baudisch auf die Kritik aus den Reihen der Makler angesprochen. Für den „Durchblicker“-Geschäftsführer sind die Reaktionen auf den Spot nicht nachvollziehbar.

„Eine wachsende Gruppe mündiger Konsumenten möchte heute selbst entscheiden, was gut oder schlecht für sie ist, und ohne Feilschen einfach das beste Angebot abschließen“, sagt Baudisch.

„Mit unseren Angeboten haben wir für diese Zielgruppe neue Möglichkeiten des ‚do it yourself‘ geschaffen. Das möchten wir mit der neuen Kampagne humorvoll und mit Augenzwinkern deutlich machen.“

„Wollen keine Berufsgruppe bloßstellen“

„Wir wollen damit keine einzelne Berufsgruppe bloßstellen, schon gar nicht die unabhängigen Versicherungsmakler“, fügt Baudisch hinzu.

Schon alleine Ort, Ambiente und Argumentationsstil des „Schwatzkopfs“ im TV-Spot würden „mehr als deutlich“ machen, dass es sich beim Protagonisten nicht um einen seriösen, unabhängigen Makler handeln könne, betont der Durchblicker-Chef.

„Daher wundert es mich schon etwas, wenn sich einzelne Makler angesprochen fühlen“, so Baudisch.


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