Neue Vorarlberger Tageszeitung – Der Vorteil der Nullzins-Garantie

Verfasst am 28.09.2016




9,26 Millionen Lebensversicherungen haben die Österreicher noch. Die Luft für Neugeschäft wird jetzt sehr dünn.

Jahrzehntelang waren Lebensversicherungen fast so beliebt wie Sparbücher und Bausparverträge. Das Neugeschäft geht in der Branche zwar schon seit Jahren zurück, nun bricht aber das europäische Nullzins-Zeitalter endgültig auch in der österreichischen Versicherungswirtschaft an. Beim Garantiezins wird ab 2017 kein Einser mehr vor dem Komma stehen. Die Versicherer müssen für den Sparanteil, der nach Steuern, Risiko- und Kostenanteilen von den eingezahlten Prämien übrig bleibt, bald nur noch 0,5 Prozent Zinsen sicherstellen. Die Finanzmarktaufsicht senkt den Höchstzinssatz, damit die Garantieleistungen langfristig auch tatsächlich erfüllt werden können. Für alle jene mit alten Verträgen ändert sich nichts. Kritiker von Lebensversicherungen raten von Neuabschlüssen ohnedies ab – obwohl es derzeit nirgends Zinsen dafür gibt, wenn man sein Geld auf die hohe Kante legt. Zwar ist die Gewinnbeteiligung, die den Versicherten von den Unternehmen in Aussicht gestellt wird, von der garantierten Mindestverzinsung völlig unberührt. Doch das Umfeld ist selbst für Großanleger so hart, dass auch die Gewinnbeteiligungen unter Druck geraten.

Ist das Produkt Lebensversicherung noch attraktiv? Beim Verein für Konsumenteninformation haben die Finanz- und Versicherungsexperten dazu eine klare Meinung. „Selbst der Garantiezins einer Lebensversicherung ist nicht mit den Nullzinsen auf einem Sparbuch vergleichbar, weil noch keine Kosten abgezogen sind“, sagt Gabi Kreindl vom VKI. Und die Zusammensetzung dieser Kosten sei vielfach intransparent (etwa Abschluss- und Verwaltungskosten). VKI-Experte Walter Hager verweist zudem auf hohe Verluste bei vorzeitigen Vertragskündigungen. Reinhold Baudisch, Chef der Internetplattform durchblicker.at, die auch Versicherungen vergleicht, empfiehlt als Risikovorsorge reine Ablebensversicherungen. Deren Preis-Leistungs-Verhältnis sei klar. Der Versicherungsverband kommentiert den FMA-Entscheid nicht, beim Versicherer Uniqa ist man dafür umso auskunftsfreudiger, weil dort der Garantiezins schon seit 2015 bei null ist. Kunden bekommen dafür nicht mehr die üblichen Kosten aufgebürdet, was die Rückkaufswerte deutlich erhöht. Das neue Konzept sorgt bei der Uniqa jedenfalls für Freude. Die Zahl der Neuverträge schnellte im ersten Halbjahr 2016 um 38 Prozent auf 31.406 in die Höhe.

Auch die Allianz ist 2015 auf den Nullzinszug aufgesprungen. Sie beziffert den Vorteil für den Kunden so: Die Rendite sei im Schnitt 0,3 Prozentpunkte besser als bei einer konventionellen Lebensversicherung.

"Neue Vorarlberger Tageszeitung" vom 28.09.2016 Seite 28,29 Ressort: Wirtschaft

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