news.at – Stromanbieter wechseln: Darauf sollten Sie unbedingt achten

Verfasst am 19.10.2018




Für die Haushalte im Osten Österreichs gab es schon Anfang Oktober die unangenehme Nachricht: Die Strompreise werden erhöht. Gründe seien höhere Beschaffungskosten sowie die Trennung der österreichisch-deutschen-Strompreiszone, schrieben Wien Energie, EVN und Energie Burgenland im Brief an ihre Kunden. Für viele der richtige Zeitpunkt für einen Anbieterwechsel. Aber wie funktioniert das eigentlich und worauf muss man achten?

Wie hoch ist die Ersparnis?

Ein Wechsel des Stromanbieters kann im Jahr rund 200 Euro Ersparnis bringen, speziell wenn man zum ersten Mal wechselt. Wichtig ist es zu wissen, dass es regionale Unterschiede gibt. So kann man sich ein Durchschnittshaushalt in Oberösterreich laut E-Control aktuell bei einem Wechsel 193 € pro Jahr sparen, Wiener 135 € und Tiroler nur 64 €. Übrigens: Mit den sogenannten „Wechselrabatten“, mit denen viele Stromanbieter locken ist sogar noch mehr Sparpotential drinnen. Allerdings wird die Ersparnis nicht sofort, sondern meist erst ein Jahr nach dem Wechsel schlagend.

Unabhängig vom Geld: Warum sollte ich wechseln?

Es geht nicht nur darum Geld zu sparen, sondern auch den Markt mitzubestimmen. „Es ist wichtig, dass der Markt reguliert wird und eine Kostenwahrheit entsteht“, erklärt Cora James, VKI-Expertin zum Thema Energiekosten-Stopp und Strom. Damit bei den laufenden Strompreiserhöhungen nicht nur die Endverbraucher zur Kasse gebeten werden, müssen sich diese sich aktiv nach dem günstigsten Anbieter umschauen und wechseln.

Wie schwierig ist es den Stromanbieter zu wechseln?

"Der Energieanbieterwechseln ist leichter als den Handytarif zu wechseln“, behauptet die Expertin. Alle nötigen Daten, die man für den Wechsel brauche, finden sich auf der Stromabrechnung. Wie funktioniert der Wechsel? Wer den günstigsten Anbieter gefunden hat, nimmt Kontakt auf und meldet sich dort an. Nach Abschluss des neuen Liefervertrages (online möglich,) kümmert sich im Normalfall der neue Energielieferant um sämtliche bürokratischen Schritte, sprich Vertragskündigung beim alten Anbieter, Regelung des technischen Ablaufes des Wechsels mit dem Netzbetreiber. Tipp 1 : Zum Wechselstichtag Stromzähler ablesen und dem Netzbetreiber mitteilen. Tipp 2 : Die Bindungsdauer der Verträge der unterschiedlichen Stromanbieter ist gesetzlich geregelt und kann maximal 1 Jahr betragen.

Wie finde ich den günstigsten Anbieter / Stromtarif?

Einfach auf der Homepage der E-Control (Tarifkalkulator) Ihre Postleitzahl, Ihre Haushaltsgröße sowie den letztjährigen (oder geschätzten) Jahresverbrauch lt. Stromrechnung eingeben - und schon haben Sie den derzeit lokal günstigsten Anbieter sowie auch den Vergleich mit anderen Anbietern.

Auch bei Durchblicker lassen sich die Strompreise sehr einfach vergleichen und ein Wechsel des Anbieters ist leicht und unkompliziert erledigt. Empfohlen ist jedoch die E-Control, denn hier müssen gesetzlich verpflichtend wirklich alle Tarife aktuell eingepflegt sein.

Wer es lieber telefonisch mag, kann sich bei Energie-Hotline der E-Control unter der Nummer 0810 10 25 54 (0,044 Euro/Minute) beraten lassen. Auch dort kann man einen Überblick über die Lieferanten verschaffen und sich über die aktuelle Preise informieren lassen.

Welche Nachteile habe ich bei einem Wechsel?

Keine – außer der (minimalen) Bürokratie. Man muss sich weder Sorgen machen, dass die Stromleitung getauscht wird, noch steht man bei einem Stromausfall ohne Hilfe da. Der Anbieterwechsel sei laut VKI-Expertin James ein reiner Formalakt. Dazu muss man wissen: Der Netzbetreiber bleibt trotz Wechsel der Gleiche.

Die Stromkosten setzen sich aus folgenden Teilen zusammen: Energiekosten (nur das kann ich wechseln), Netzkosten und Steuern & Abgaben zusammen. Wichtig: Nicht alle Alternativanbieter bieten eine Gesamtrechnung an. Nach einem Wechsel können also zwei getrennte Stromrechnungen ins Haus flattern: Eine von Stromanbieter und eine zweite vom Netzbetreiber. Die Kosten bleiben gleich. Übrigens: Auch wenn man künftig weniger für den Strom bezahlt - die Netzkosten bleiben unverändert, weil sie staatlich geregelt sind. Sie machen zwei Drittel der gesamten Stromrechnung aus.

Kann ein Wiener auch einen Anbieter aus Vorarlberg wählen?

Ja. Lassen Sie sich auch nicht von der scheinbaren Entfernung zum Anbieter abschrecken: Ein Versorger aus Vorarlberg oder Kärnten kann auch für Wien den günstigsten Preis anbieten. "Es fließt kein anderer Strom durch die Steckdose, der Anbieter kauft lediglich Strom ein und verrechnet das weiter“, erklärt VKI-Expertin Cora James. Wichtiger sei es sich Gedanken zu machen in welche Richtung man sein Geld investieren will. Es gehe um die Unterstützung des Herstellungsprozesses. Die wichtigste Frage, die man sich stellen sollte sei: Soll mein Geld in Atomstrom, ein Gaskraftwerk oder Ökostromanlagen fließen?

Ich möchte Ökostrom beziehen - was muss ich beachten?

Auch wenn der Ökostrom-Anteil in Österreich verhältnismäßig klein ist, ändern sich durch seinen forcierten Ausbau die Strukturen in der Stromerzeugung. Wer Premium-Strom haben will sollte auf das Gütesiegel „Umweltzeichen“ achten, nur so kann man sich sicher sein, dass ich bei diesem Stromanbieter tatsächlich den Ausbau dieser Anlagen fördere.

Wie hoch sind die Wechselraten in Österreich?

„Leider extrem gering“, zieht die VKI-Expertin Cora James Bilanz. Während in Deutschland im Jahr 2016 bereits 11,4 Prozent der Haushalte den Stromanbieter gewechselt haben, waren es in Österreich im gleichen Zeitraum nur 3,5 Prozent. Im Jahr 2017 sieht es laut E-Control nicht wirklich besser aus: Nur 4,3 Prozent der heimischen Haushalte wagten einen Wechsel.

Ist häufiges Wechseln vom Stromanbieter sinnvoll?

"Es ist Geschmackssache. Jedes Jahr wechseln muss nicht sein“, relativiert die Expertin. Dennoch sei es aus Konsumentensicht völlig legitim sich jedes Jahr die Wechselboni abzuholen. Allerdings sollte man den Stromtarif nicht aus den Augen verlieren. Auch eine Preisgarantie oder Strompreise mit Deckelung können attraktiv sein. Für Smartmeter gebe es sogar schon Preise, die sich stündlich ändern – das sei aber noch in der Pionierphase.

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