TREND: Investieren mit Schneeballeffekt

Verfasst am 29.05.2012


Millioneninvestments darf sich keiner der österreichischen Gründer erwarten. Dazu ist die Investorenszene zu klein und die Risikobereitschaft zu gering. Dennoch schafft es eine Handvoll engagierter Business-Angels, die Startup-Szene anzukurbeln.

Das Urteil der meisten österreichischen Startup-Gründer fällt eindeutig aus: In Österreich fehlt es an der Risikobereitschaft, Geld für ein Startup lockerzumachen, die Steuergesetze seien investorenfeindlich, die Banken zu bürokratisch, und das Verständnis für neue Technologien sei zu gering. Kein Wunder, dass es einige Unternehmen mit Potenzial zum späteren Millionen-Exit bereits ins Ausland verschlagen hat.

Dennoch ist das nur die halbe Wahrheit, wie der Boom der österreichischen Startup-Firmen zeigt. Dort, wo es um die Millionenbeträge geht, um ein Unternehmen zu skalieren und international zu etablieren, herrscht zwar in Österreich tatsächlich ein Manko. „Wir brauchen dringend mehr Risikokapitalfinanzierungen“, diagnostiziert Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer des Austria Wirtschaftsservice (AWS), der Förderbank des Bundes.

„Österreich gehört da zu den Schlusslichtern.“ Aber dort, wo es um Starthilfe im eigentlichen Sinn geht, nämlich junge Leute dabei zu unterstützen, aus einer Idee eine Company zu formen und die ersten Schritte mit ihnen zu gehen, dort offerieren Wirtschaftskammer, AWS, regionale Inkubatorennetzwerke oder universitäre Gründerzentren wie INiTS vielfältige Möglichkeiten. „Ohne die Hilfe von AWS und INiTS wären wir nie so weit gekommen“, sagt etwa Armin Strbac von Finderly (siehe Porträt), „was die Frühphase betrifft, bietet Österreich enorm viel an.“ Sofern man als Gründer geduldig ist. „Bei Pre-Seed-Förderungen dauert es oft ein Jahr vom Antrag bis zur ersten Auszahlung“, moniert etwa Klaus Matzka, Gründer von Gamma Capital Partners. „Das dauert viel zu lange in diesem Business.“ Und Max Kossatz von Archify, der sein Startup gerade nach Berlin verlegt, ergänzt: „Das Ausfüllen von 37-seitigen Förderanträgen gibt es nur in Österreich. In London oder den USA geht das viel unbürokratischer und schneller.“

Dass sich in Österreich dennoch eine dynamische Startup-Szene etablieren konnte, ist vor allem der Initiative einiger privater Investoren zu verdanken – vor allem Markus Wagner, 34, und Oliver Holle, 41. Die beiden Gründer des Handydienstleisters 3united, der 2006 um 60 Millionen Euro an Verisign verkauft wurde, kehrten nach einigen Jahren in den USA nach Österreich zurück, um ihr Knowhow, aber auch den Verkaufserlös hierzulande zu reinvestieren. Wagner, beim Exit mit 15 Prozent größter Einzelgesellschafter von 3united, gründete den Inkubator i5Invest und gibt seither vielen junge Startups Starthilfe, wie kochabo.at, Wikitude, Tupalo, Tripwolf, Runtastic oder Wikifolio: „Ich glaube an den Schneeballeffekt. Erfolgreiche Unternehmer bringen neue erfolgreiche Unternehmer hervor. So haben wir die Chance, ein Silicon Valley in österreichischer Dimension zu schaffen.“

Während den Startups von i5Invest in der Spengergasse in Wien-Margareten nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Manpower, Know-how und oft auch Arbeitsplatz zur Seite gestanden wird, liegt der Fokus von Holle vor allem darin, sich mit seinem Fonds „Initial Factor SpeedInvest“ bei schon weiterentwickelten Startups zu beteiligen – mit Chance auf einen erfolgreichen Exit. Wie zum Beispiel soup.me, „eines der ganz wenigen Projekte, die Weltpotenzial haben“, erklärt Holle. 500.000 Euro darf sich ein Startup im Durchschnitt von SpeedInvest erwarten, muss dafür aber auch je nach Bewertung bis zu einem Viertel seiner Anteile an SpeedInvest abtreten. „Alleine in den vergangenen sieben Monaten haben wir rund 1,5 Millionen Euro investiert“, sagt Holle, der in seinem Fonds rund zehn Millionen Euro von 30 privaten Investoren eingesammelt hat.

SpeedInvest ist zwar kein Inkubator im eigentlichen Sinn, doch auch Holle stellt seinen Startups die Arbeitskraft von sechs verschiedenen Experten zur Verfügung, um sie bei organisatorischen, Investieren mit Schneeballeffekt Millioneninvestments darf sich keiner der österreichischen Gründer erwarten. Dazu ist die Investorenszene zu klein und die Risikobereitschaft zu gering. Dennoch schafft es eine Handvoll engagierter Business-Angels, die Startup-Szene anzukurbeln. rechtlichen oder steuerlichen Themen zu entlasten. Einer davon sitzt sogar im Silicon Valley und unterstützt die österreichischen Beteiligungen wie Finderly, sipwise (Internettelefonie) oder Gaminside (Onlinespiele-Provider) bei Vertrieb und Business- Development vor Ort.

Ähnlich agieren auch einige private Investoren, so genannte Business-Angels, die neben Kapital auch ihre langjährige Erfahrung und ihr Netzwerk einbringen. Einer der bekanntesten der Szene ist dabei der 60-jährige Johann Hansmann, der in seinem Leben schon 45 Firmen gegründet hat. Nach dem Verkauf einer Reihe von Pharmaunternehmen in Spanien stieg er vor zwei Jahren in das erfolgreiche Sprachenlernportal Busuu ein, das in Madrid von einem Österreicher mitgegründet worden ist. Seither investierte er in mehrere Startups jeweils 200.000 bis 500.000 Euro – vom Versicherungsvergleichsportal Durchblicker über den Jobberater Whatchado, das Portal für Medikamentenbeipacktexte Diagnosia bis zu Runtastic oder my-Sugr.

„Mein Anteil ist dabei nie größer als der der Gründer“, erklärt Hansmann, schließlich will er nur als strategischer Berater zur Seite stehen und nicht die Führungsrolle übernehmen. „Außerdem investiere ich ausschließlich in Leute, die ich mag und die voll motiviert sind.“ Hansmann ist zudem einer der Kapitalgeber von Speed-Invest – was wiederum die Kleinheit des österreichischen Kapitalmarkts unterstreicht. „Ein Business-Angel ist ein spezielles Tier“, räsoniert Hansmann in fast väterlicher Manier, „er braucht viel Erfahrung in unterschiedlichsten Bereichen, kann gut mit Zahlen umgehen, ist gut vernetzt und verfügt über genügend Geld, das er nicht braucht und eventuell nie mehr wiedersieht.“






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